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Schüler und Meister musizieren beim „Side-by-side“-Konzert im Konzil am gleichen Pult


Neue musikalische Ideen setzen sich in Konstanz oft auf Dauer fest. Eine davon ist das „Side-by-side“-Konzert von Südwestdeutscher Philharmonie (SWDP) und Jugend-Sinfonie-Orchester Konstanz (JSOK) des Suso-Gymnasiums, das im Konzil seine dritte Auflage erlebte. Das Konzept war wieder spannend: Man hörte das Suso-Orchester und die SWDP je einmal getrennt, je einmal die „Beruflichen“ einen Suso-Geiger und das Schülerorchester ein Philharmonie-Quartett begleiten; und natürlich die Start- und Finale-Events des Abends: Das Zusammenspiel von jung und alt je an einem Pult. Soweit das Gerüst, das sich dann mit überraschenden und tollen Inhalten füllen sollte.

Michael Auer ließ mit Walzerschwung eröffnen und forderte das Doppelorchester in J. Strauß' „Fledermaus“-Ouvertüre gleich stark heraus, denn da gibt es Ruhepunkte nur, um sogleich wieder in die Vollen zu gehen und das „Medley“ auf Schwung zu bringen. Vom Wiener Walzertakt zu Gabriel Faurés bedächtig schreitender „Pavane“, von der SWDP mit träumerischen Melodien ausgespielt und von Vassilis Christopoulos dirigiert, bevor das Solokonzert die Zuhörer in Bann schlug, als der 18-jährige Alexander Kisch vom Suso-Konzertmeister zum Violinvirtuosen avancierte: In Camille Saint-Saëns' Introduction und Rondo Capriccioso zeigte der junge Solist alles, was zu erreichen ist: Wunderschönen Ton, fein empfundenes Vibrato, witzigen Springbogen, kräftigen Bogendurchzug, sattelfeste Doppelgriffe und tänzerisch-virtuose Figuren. Eine starke Leistung solistischer Dominanz und integrativen Zusammenspiels mit der Philharmonie!

Ein stolzes Ereignis für das JSOK: ein Solistenquartett der SWDP selbstständig zu begleiten in einem Werk, das große Ansprüche stellt: Joseph Haydns „Sinfonia Concertante“. Da gelang hellwaches Eingehen auf die Solisten, die ihren diffizilen Part in lebendigem, feinstem Zusammenspiel unter Michael Auer sichtlich genossen: René Kubelik (Violine), John Wennberg (Cello), Michael Küttenbaum (Oboe) und Matthias Ohlsen (Fagott).

Walzernd war begonnen worden, walzernd verabschiedete sich das Doppelorchester vom, den Konzilsaal leider bei weitem nicht füllenden, Publikum (vielleicht hat's ja akustisch eher genützt als geschadet). Aber welch ein schwieriges Walzern war das in Maurice Ravels „La Valse“! Aus düsterer Tiefe löst sich langsam das Walzerthema, das nie so recht wienern, nie so richtig in die Beine fahren will, stattdessen mit Fortissimo-Percussion beinahe militärisch auftrumpft. Ein heftig schweres Stück! Da hielten Schüler und Profis eisern zusammen, um das spektakuläre, reich besetzte Werk zu bravourösem Schlussfeuerwerk zu machen. Heitere Moderationen von Mara Julseth und David Brooke begleiteten das konzertante Geschehen, dessen Spiel und pädagogischer Wert die Note 1 rechtfertigen! Beide Orchester und Maestri können sicher sein, dass eine vierte Auflage von „Side-by-side“ hochwillkommen sein würde.

Reinhold Müller, Südkurier, 06.07.2012