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Jazz-Downtown eröffnet vor Riesenpublikum

Wer könnte überzeugender Stimme und Instrument für das Hospiz Konstanz einsetzen als Formationen, die aus vollem Jugendtemperament heraus musizieren, was das Zeug hält?

Bedankt von Gräfin Sandra Bernadotte für alle musikalischen, organisatorischen, ideellen und finanziellen Beiträge vieler Menschen für den Hospizverein ging das Jazz-Downtown-Eröffnungskonzert vor beinahe die Münstermauern sprengendem Publikum am vergangenen Samstagabend über die Bühne. Da hatten sich zwei ganz herausragende Jugendensembles in der Vierung des Münsters getroffen zu jazzigem Tun in so herzhafter Frische mit umso ernsthafter erarbeitetem Leistungsstand, dass dem Hörer schon mal der Atem stocken konnte, wenn es nicht gerade um elektrisierende Wirkung satter Rhythmen ging: Das Konstanzer Jugend-Sinfonie-Orchester (unter der Leitung von Michael Auer) und die Jugendkantorei Konstanz (Leitung Steffen Schreyer).

Zackig, groovend, swingend, als hätten sie seit Jahren nichts anderes getan als in der Bigband zu spielen, servierten die prächtig und besonders streicherstark besetzten Sinfoniker das Duke-Ellington-Medley, dem sie das Motto des Abends mit temperamentvollem Gospelmarsch, melodischem Schwelgen und tollen Bläsereinwürfen folgen ließen: „What A Woderful World!“ Nicht weniger mitreißend und auch ans Herz gehend Henry Mancinis Filmmusik-Medley, wo Streicher schluchzten, weicher Holzbläserklang schmeichelte, heißer Blechsound aufreizte, Mitwippen im Publikum angesagt war.

John Rutters Dankeshymne an alles Leben dieser Erde vereinte Chor und Orchester schließlich zu feierlichem Choral zum Abschluss des Abends. Ein abhold ins Fortissimo getriebenes Finale-Ausrufezeichen: Still verklingend und friedlich, eine schöne Welt erträumend. Das Publikum reagierte darauf eher ergriffen als mit enthusiastischem Schlussbeifall. Unterm Strich bleibt: Eine große Leistung der Jungmusikanten und ihrer beiden effizienten und stets befeuernden Dirigenten!

Reinhard Müller, Südkurier, 16.05. 2011