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Das Suso-Gymnasium mit dem Jugendorchester glänzt bei einem grandiosen Konzert in der Lutherkirche

Personelle Beständigkeit ist die Sache von Jugendorchestern nicht, und das macht musikalische Hochleistung auch so schwer: Nach ein paar Jahren sind die Spieler wieder weg, die man sich hat entwickeln hören; bleibt die Hoffnung auf genügend sich schnell hineinfindenden Nachwuchs. So sah man es beim Sinfoniekonzert des „Jugend-Sinfonie-Orchesters Konstanz“ (JSOK) unter Leitung von Michael Auer, das am Suso-Gymnasium beheimatet ist, zu einem Viertel aber auch aus Schülern anderer Schulen besteht: Eine sinnvolle Zusammenarbeit, die zu einem solch mächtigen Klangkörper führt, wie man ihn jetzt in der Lutherkirche erleben konnte: 40 Streicher, 18 Bläser und Schlagwerk.

Umgeben und sorgsam begleitet von den „Tutti-Kameraden“ verabschiedeten sich vier Abiturienten solistisch: Benjamin Binder (Scholl) souverän und musikantisch, virtuos und melodiös flötend in Vivaldis „La Notte“; Linda Ridder (Scholl) mit schöner Fagott-Linienzeichnung und anstrengenden Läufen in Franz Danzis Allegro aus dem 1. Fagottkonzert; Christoph Litke (Suso) mit beherztem, bis in hohe Lagen sauberem Kontrabassstrich und schwieriger Terzen-Doppelgriffkadenz in Carl Dittersdorfs Allegro des D-Dur-Konzerts; Christian Kley (Suso) mit ansatzsicherem, brillantem Trompetenton in hellen Linien und Girlanden in Johann N. Hummels Allegro aus dem Es-Dur-Konzert. Geschickt ließ Michael Auer die reduzierte Begleitbesetzung immer wieder wechseln, gönnte den Spielern Erholungspausen, schonte deren Kräfte, die sie für das Großwerk des Abends noch brauchen würden. Das war beste Unterhaltung aus Barock und Klassik, bunt gemischt, bunt im Klang, und fortgeschritten im Spielniveau.

Ausgewogene Balance

Den aufmunternden Auftakt machten Edvard Griegs so volkstümlich melodische Peer-Gynt-Sätze, die melancholisch („Morgenstimmung“ und „Ases Tod“), beschwingt („Anitras Tanz“) und erschreckend („Halle des Bergkönigs“) den ausbalancierten Streicher-Bläserklang des großen Sinfonieorchesters zeigten. Nach den Solosätzen kam sie, mit Spannung erwartet: Mozarts „Jupitersinfonie“ in ihrer ganzen Größe, Länge und Schwierigkeit, sicher nicht für Jugendliche geschrieben; aber Michael Auer nutzte die Chance der gegenwärtigen Fähigkeiten seiner Jungmusici und wagte es: Ran an die klassische Sinfonie. Üben, was das Zeug hält, die polyphonen Strukturen verstehen und aufeinander hören lernen, die langen Legatoketten der Streicher bewältigen, Freude am Zusammenklang der komplexen Partitur bekommen, auf den wunderschönen Ton der Holz- und Blechbläser hören, Feinheiten im Sordinen- und Artikulationsspiel entwickeln, den Überschwang des Finales nach bestandenen Fungierungen mitgestalten. Auer hielt seine Musiker auf der sicheren Temposeite im Griff, auch wenn diese gerne mal von der Kette wollten. Er hatte viel erreicht, und der Beifall des Publikums war anerkennend lautstark. Das JSOK setzte einen drauf: Bigbandstark kam Ted Rickets „Satchmo“ als Quasi-Zugabe herüber, wo rhythmische Knaller und sentimentaler Song aus Louis Armstrongs Highlights aufkratzten: What a wonderful world. Zugabe zur Zugabe: Zehn Sekunden zackiges „Hello Dolly“-Finale.

Zur Freude über das Konzertgelingen gesellte sich die Wehmut über 14 Abiturienten, die dem Orchester ade sagen müssen. Blumen für sie, aber auch Dank der Direktorin an die Bleibenden, vorab an Michael Auer, der solche musikalische und pädagogische Riesenarbeit weiterhin zu leisten bereit ist.

Südkurier, 18.04.2011