header-logo

 

Das Konzert des Suso-Gymnasium ließ staunen: Die Schüler boten ein facettenreiches Programm

Bekanntlich gibt es die Geschenke zu Weihnachten erst an Heiligabend. Doch die Schüler der musikalischen Ensembles am Heinrich-Suso-Gymnasium hatten sich wohl vorgenommen, der Familie, Freunden, Lehrern und dem restlichen Publikum schon vorher ein Präsent zu überreichen. Und als hätten dies die Konstanzer geahnt, war die Gebhardskirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Wer zu spät kam, musste stehen. Schwergefallen ist das wohl niemanden bei dem abwechslungsreichen und originellen Programm.
Michael Auer und Reinhard Siegel leiteten ihre musikalischen Schützlinge mit viel Präzision durch den Abend und animierten die Schüler zu Höchstleistungen.

 

Weihnachtlich eingestimmt wurde das Publikum durch Wiegenlieder aus der ganzen Welt. Sie wurden dargeboten von zahlreichen Ensembles. Da konnte man sich berieseln lassen von den italienischen Klängen bei „Dormi, dormi, bel bambin“. Der gemischte Chor bezauberte dabei mit sanftem Ton. Der mehrstimmige Satz von „The little Road to Bethlehem“ meisterte der Nachwuchs vom Unterstufenchor mit Bravour. Die Reihe endete mit dem spanischen Wiegenlied „fum fum“. Hier wurde der Name des Liedes zu einer klangstarken Begleitung, während die Alt- und Sopranstimmen des gemischten Chores die Melodie darüber legten.
Bekannte Weisen erklangen in einer instrumentalen Zusammenstellung von Weihnachtsliedern. Das Vorstufenorchester spielte geschickt die interessanten Übergänge von einem Lied zum anderen.

Eine bemerkenswerte Leistung erbrachten die Sänger des kleinen Männerchors. Die Talente unter ihnen übernahmen viele künstlerische Aufgaben. Maximilian Vogler schrieb wunderschöne wie auch einfallsreiche Arrangements unter anderem zu dem bekannten Weihnachtslied „Maria durch ein Dornwald ging“. Benjamin Binder übernahm das Dirigieren und ein Solopartie. Das darauffolgende Jugend-Sinfonie-Orchester war ein wahrer Ohrenschmaus. Das Programmblatt kündigte festliches Barock an. Gespielt wurde eine Suite von Johann Sebastian Bach. Michael Auer war in der Position, in der ein Dirigent wohl am liebsten ist. Er konnte gestalten und die verschieden Facetten des Werkes hörbar ausmalen.

Vom Barock führte der Mädchenchor zurück in die Gegenwart. Der in Kanada arbeitende Komponist Mark Sirett ließ sich bei seinem Werk „Song of an Angels“ von den gregorianischen Gesängen inspirieren. Für den Zuhörer woben sich die Legatostellen der einzelnen Stimmen zu einem großen Klangteppich zusammen. Doch dieser wurde durch rhythmische Elemente sogenannter Mouthpercussion durchbrochen. Justin Auer begleitete dabei die Stimmen. Er untermalte den Gesang mit Glockenklängen. Am Ende jubilierte der Chor, bis er ganz im Pianissimo verschwand.

Verschwinden durfte das Publikum da aber noch nicht. Der krönende Höhepunkt stand bevor: Drei große Ensembles versammelten sich im Altarraum. Der gemischte Chor, der Unterstufenchor und das Jugend-Sinfonie-Orchester boten ein wahres Weihnachtswerk dar. „Fantasia on Christmas Chorals“ ist ein kleines, am englischen Volkslied orientiertes Oratorium. Die Chöre sangen klar und hell, der Orchestersatz wurde ausdrucksstark gespielt und der Unterstufenchor sang die eigentlich für Bariton geschriebene Solostimme mit großem Können. Am Ende des Werkes durfte sich der Zuhörer über gesungene Wünsche für ein schönes Weihnachten freuen. Einen gemeinsamen Ausklang mit dem Publikum fand man danach im traditionellen Adventslied „O du fröhliche“.

Fröhliche Begeisterung schlug dann auch den Schülern des Suso-Gymnasiums und den musikalischen Leitern entgegen. Zwar hatte das Publikum schon zwischen den Programmblöcken anerkennend geklatscht, trotzdem durfte der wohlverdiente große Schlussapplaus nicht fehlen.

Eintritt verlangte die Schule nicht, aber die Spendenkörbe und ihre Träger nahmen ihre Plätze an den Ausganstüren ein. Die Zuhörer gaben für die erbrachte Leistung gerne etwas. Und das auch noch für einen guten Zweck: Die Hälfte der Spenden kommen dem Hospiz Konstanz zu Gute. Mit dem restlichen Erlös werden weiterhin die jungen Talente gefördert. Musikfreizeiten, Konzertreisen und weitere Auftritte stehen im kommenden Jahr bevor.

Konzerte, die hoffentlich auch das nächste Mal wieder wie ein Geschenk wirken. Sie sind jedenfalls besser als ein lieblos ausgesuchte Päckchen unter demWeihnachtsbaum.

Verena Nebel, Südkurier, Dezember 2010