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Das Konzept hatte Charme, das Ergebnis Qualität. Musiker der Südwestdeutschen Philharmonie spielten gemeinsam mit jungen Musikern des Jugend-Sinfonie-Orchesters des Heinrich-Suso-Gymnasiums.

In Wien geht das nicht: Philharmoniker und Symphoniker zusammen auf der Bühne. Im Konstanzer Konzil ging es; es steckte allerdings auch keine Wettbewerbsidee dahinter, als die professionelle Südwestdeutsche Philharmonie (SWDPh) jetzt zum zweiten Mal (nach Januar 2008) das Jugend-Sinfonie-Orchester des Heinrich-Suso-Gymnasiums zum Mitspiel aufs Podium bat: die Philharmoniker in schwarz, die Suso-Sinfoniker in weiß, und fast schien es, als überwiege bei den Streichern das Weiß; allein das schon erstaunlich.

Natürlich ist die pädagogische Idee der Motor des gemeinsamen Musizierens, und so beugte sich manch ein Profi unterstützend zum zwölfjährigen Pultnachbarn hinüber, hatte aber manch älterer Schüler schon einen satten, selbstständigen Bogenstrich. Das Konzept hatte Charme, das Ergebnis Qualität, und der Schulungs- und Erinnerungswert für die Suso-Musiker dürfte riesig sein.

Da war aber auch Fetziges aufgesucht worden für das Zusammenspiel der beiden Klangkörper: George Gershwins „Amerikaner in Paris“ zu Beginn und seine „Rhapsody in Blue“ zum Finale. Im „Amerikaner“ schlenderten die Musiker quasi pfeifend durch die Straßen, hatten Spaß an der Autohuperei, badeten in Jazzharmonien, genossen Blues, Slowfox und Songmelodie, und Maximilian Hörmeyer spielte schöne Violin-Solotakte hinein.

Peter Tschaikowskis „Variationen über ein Rokoko-Thema“ sollten den Suso-Abiturienten Bogdan Kisch am Cello hören lassen, aber er musste wegen Sehnenscheidenentzündung absagen, und so wurde das duftige, kammermusikalische Werk reine Profi-Sache: Der Cellokünstler Gavriel Lipkind war eingesprungen und reizte sein Instrument mit aufregender Interpretation aus. Aus singender, melodischer Linie wurde schließlich große Doppelgriffkadenz, aus empfindsamem Pianissimo-Flageolett im galoppierenden Finale zusammen mit den Philharmonikern der große Bravourwurf. Das hatte Folgen: Drei Zugaben spanischen, akrobatischen und israelischen Zuschnitts gab der junge Künstler bereitwillig und erläuternd unter mächtigem Beifall aus ordentlich gefülltem Konzilsaal.

Ganz ohne Profi-Hilfe trauten sich die Suso-Schüler dann doch nicht an Tschaikowskis „Valse-Scherzo“ für Solovioline und Orchester, hatten die quirlige, heikle Partitur aber respektabel im Griff, bekamen durch auffallend schönen Bläserklang satte Kontur, als Wladimir Astrachanzew (von der SWDPh) zur Geige griff und dem wirbelnden Walzer vom vibrato-schmachtenden bis zum virtuosen und spiccato-gespickten Griffbretttanz Temperament verlieh. Da kam Paganinis launige Zugabe vom Hut mit den drei Ecken, von merkwürdig gepizzten Akkorden des Orchesters unterlegt, gerade recht.

Volles Podium zum glanzvollen „Rhapsody in Blue“-Finale: praller musikalischer Inhalt mit den nicht enden wollenden, zündenden, schummrigen, ragtime-zackigen, bigband-schmissigen Einfällen Gershwins. Dazu der Solopart des Suso-Pianisten Ruben Seilnacht, der sich den enthusiastischen Beifall verdient erspielt hatte: durchhörig und fein im Piano-Anschlag, nachsinnend in der Klanggestaltung, vollgriffig jazzend, sich in den Orchesterklang einhörend, dann wieder sicher anführend, rhythmusstark, auswendig, fehlerfrei. Da macht sich ein ganz junger Musiker mit ganz großem Talent auf die pianistische Reise durchs Leben.

Mit den Maestros Michael Auer (Leiter des Suso-Orchesters) und Kevin Griffiths (Gast der SWDPh), die je einen Gershwin und Tschaikowski dirigierten, gewann die spannende Begegnung tolle musikalische Konturen, wurde die Sommernacht – nicht ohne Schiffsirenen – zum außergewöhnlichen Erlebnis. Die Lernenden und Eingeladenen vom Suso wussten die Konzertidee zu schätzen und luden ihre Pultnachbarn von der Philharmonie ihrerseits zur Nachfeier ein – auch das ein Stück Zusammenhalt von Jung und Alt.

Reiner Müller, Südkurier, Juli 2009