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Das Jugend-Sinfonie-Orchester des Heinrich-Suso-Gymnasiums begeistert in der Lutherkirche

Da stimmte alles: die wohltemperierte Instrumentalstimmung der 65 bestens vorbereiteten Schülermusiker, die geradezu mustergültige Quotenbesetzung (100 Prozent der Soli und 61,5 Prozent im Orchester waren Damen), der Reichtum des Programms vom Leipziger Bach-Barock bis zu Piazzolla- und Chicago-Tangos, die alle drei Emporen und das Kirchenschiff füllenden Musik- und Schulfreunde, nicht zuletzt das gut zweistündige konzentrierte Spiel, das von Michael Auer bei klarem Takt, spannender Dynamik und werkgerechtem Zeitmaßen ohne Bruch und stilistisches Verfallsdatum sicher durch alle Werke gelenkt wurde.

Da könnte man manches zum Lobe des Dirigenten sagen, vor allem aber auch dies. Er - man hörte es gleich in der eröffnenden ,,Egmont"-Ouvertüre Beethovens - hetzte nicht mit Formel-l-Tempo durch die Noten, sondern setzte dramatische Akzente mit weitem Melos, ließ Steigerungen langsam den Gipfel erreichen, wusste aber auch, so in der Sieges-Coda der Ouvertüre, mit Fortissimo und Piccolo-Pfiffen die Klangpointe mit Tuttiglanz zu inszenieren. Nach diesem Klassiker-Auftakt waren vor dem großorchestralen Konzertfinale fünf Solo-Ereignisse zu hören, zu genießen, zu bewundern. Denn jeder Auftritt bewies das kunstgeübte Können der Suso-Musen in allen Spielen und Stilen. Die Sopranistin Bérénice Horlacher sang zwei kleine, feine Arien aus Mozarts ,,Bastien und Bastienne". Der Atem trug das Melos, die Stimme hatte lieblichen Klang, die Kunst, Rokoko-Arie und lyrisches Lied im ,,Tempo grazioso" zu verbinden, gelang. Danach geigte Pauline Fauser den Piazzolla-,,Sommer" mit Bogendruck und Lust an Tango-Gefühl samt belebenden Dissonanzen und mit Rutsch- Chromatik. Die Violinistin Annemarie Ohlsen setzte dagegen mehr dunkle Farben, balladesken Ausdruck und G-Saiten-Melancholie im ,,Winter"- Tango Piazzollas. Zwischen diesen brasilianischen Jahreszeiten bewiesen Carla Biegert (Violine) und Paula Dellit (Oboe) in lebhaften Parallelen und kontrapunktischen Dialogen nobles Bachsches Konzert-Allegro, tempofest, barocke Zügigkeit ohne Nähmaschinen-Motorik. Mit überraschendem Kontrast erfreute die Flötistin Pauline Klein: C6cile Chaminades,,Concertino" hatte sangliches Sentimento, dazu Bravour-Kadenz und kokettes Scherzo. Was im orchestralen Hauptopus, Mussorgskys ,,Bildern einer Ausstellung" (orchestriert von Hanspeter Gmür), erlebt werden konnte: Promenaden-Variationen, Bilder von wechselnden Farbtönen, Fülle des Pittoresken mit kräftigen Konturen. Das schwere Werk gelang, in der Gnomen-Hinkrhythmik wie im witzigen Küchlein-Ballett, im Troubadour-Solo über Paukentiefe wie im unheimlichen Katakomben-Besuch oder in der hymnisch massiven Architektur des ,,Großen Tors von Kiew". Wunderbar: mehr Musik als Malerei! Finale des Abends vor großem Applaus des Publikums und Dankesrosen: Drei Sätze aus Kanders,,Chicago"-Musical mit gepfeffertem Drive, sattem Instrumentalgesang und dem ohrwurmwürdigen Tuttibekenntnis ,,And All That Jazz".

Helmut Weidhase, Südkurier, 3.5.2016