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Das Suso-Orchester und Solisten ziehen beim Jugendkonzert „Hör Mal!“ in der Lutherkirche die Kinder in ihren Bann

Das Hauptkonzert des Suso-Jugend-Sinfonie-Orchesters in der Lutherkirche quoll von Besuchern und gebotener Spielqualität geradezu über. Tags darauf aber spielte das mehr als 50 Spieler starke Orchester, selbst im Jugendalter, für die noch viel jüngeren (und älteren), wenigeren Besucher Ausschnitte aus dem Großprogramm vom Vorabend.

 

Da holte Michael Auer die lauschenden Kinder aber richtig mitten in die anspruchsvolle Musik und ins Orchester hinein, als er Robert Schumanns idealtypisierte Temperament-Antipoden Florestan und Eusebius als leibhaftige Orchester-Musici auftreten ließ und die Kinder in spannende Rätselfragen verwickelte: Da war man spielerisch plötzlich mittendrin in der breiten musikalischen Palette von Forte-Draufgängertum und Piano-Lyrik.

Tänzerisch eröffnete die Gavotte von Gabriel Fauré die kurzweilige Werkfolge, und das Final aus Schumanns zweiter Sinfonie forderte schon viel Ausdauer und Konzertration. Dann aber durften die Jüngsten den gekürzten ersten Satz aus Rober Schumanns Klavierkonzert (mit ganz ausdrucksstarkem Solisten Simeon Ohlsen) hautnah miterleben, als sie sich mitten ins Orchester setzen und Geige, Fagott oder Trompete zum Greifen nah anhören konnten.

Nochmal wurden Florestan und Eusebius zum Thema, als das ohnehin schon üppig besetzte, sagenhaft präzise musizierende Orchester, durch Percussion verstärkt, ein aufwühlendes Medley durch Webbers „Phantom der Oper“ servierte: Aus den Kellern des Pariser Opernhauses verbreitete das (doch auch nur Christines Liebe suchende) Phantom mit den chromatischen Akkordfolgen Schrecken und Schockstarre, löster der Parallelsong „Think of me“ zum Cats-Memory die Spannung in lyrische Melodik auf.

„Hör mal!“ war ein musikalischer Volltreffer, der Berührungängste vor Klassik nehmen konnte: Wenn so viele junge Musikanten Klassik spielen, muss an ihr was dran sein.

 

Reinhard Müller, Südkurier, 12.5.2014